Gutes Holz, schlechter Staub - Ein Bericht der AUVA-Kampagne „GIB ACHT, KREBSGEFAHR“

Holzstaub und formaldehydhaltiger Leim stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Durch richtige Schutzmaßnahmen, die auch konsequent umgesetzt werden, können diese Risiken jedoch erfolgreich eingedämmt werden. TEAMwork geht hier mit gutem Beispiel voran.

Schleifarbeiten am Absaugtisch

Schleifarbeiten am Absaugtisch

Franz Kritzinger Sicherheitsfachkraft TEAMwork GesmbH

Holz hat zu Recht einen guten Ruf. In zahlreichen Einsatzgebieten – vom Bauwesen über die Verwendung im Wohnbereich bis hin zu Musikinstrumenten und Spielsachen – beweist Holz seine positiven Eigenschaften. Darüber hinaus handelt es sich um einen nachwachsenden Rohstoff mit guter Öko- und Klimabilanz.
Da vergisst man leicht, dass bei der Verarbeitung von Holz nicht nur gefährliche, sondern sogar krebserzeugende Stoffe entstehen können. Krebsgefahr besteht durch Holzstaub und in geringerem Ausmaß auch durch formaldehydhaltigen Leim, der vor allem in der Plattenproduktion verwendet wird.
„Naturbelassenes Holz ist absolut unproblematisch, aber als Staub gefährlich“, betont Dipl.-Ing. (FH) Christof Tallian, Fachkundiges Organ im Unfallverhütungsdienst Wien der AUVA. Holzarten wie Eiche, Buche oder Birke werden laut Grenzwerteverordnung als eindeutig krebserzeugend eingestuft, bei anderen besteht ein begründeter Verdacht auf ein krebserzeugendes Potenzial.
Hartholzstaub kann Nasenkrebs auslösen, der  auch im Gesetz als Berufskrankheit im Sinne der Unfallversicherung für Beschäftigte in holzbe- und -verarbeitenden Betrieben anerkannt wird.

Achtung bei Schleifarbeiten

„Früher haben Tischler doch auch mit Holz gearbeitet. Warum soll man jetzt Krebs davon bekommen?“ Tallian kennt diese Frage und weiß die passende Antwort darauf: „In der Vergangenheit sind an den Maschinen hauptsächlich Holzspäne und nur geringe Mengen an Holzstaub entstanden. Die heute gewünschten hohen Oberflächenqualitäten erzielt man nur mit Werkzeugen, die einen viel höheren Staubanteil mit lungengängigen Partikelgrößen erzeugen.“ Speziell Schleifarbeiten mit handgeführten Schleifmaschinen sind sehr staubintensiv – und der Arbeitnehmer hält sich dabei unmittelbar im Staubbereich auf.
Die Entstehung von Holzstaub kann nicht verhindert werden, die gesundheitsgefährdende Konzentration in der Luft jedoch schon. Laut Grenzwerteverordnung (GKV) darf ein Tagesmittelwert von 2 mg/m³ nicht überschritten werden. „Die gute Nachricht: Wenn man alle vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen umsetzt, ist üblicherweise eine deutliche Unterschreitung des Grenzwerts gegeben“, so Tallian.
Für handgeführte Schleifmaschinen schreibt die GKV neben der Geräteabsaugung eine zusätzliche Absaugung zwingend vor. Dabei kann es sich um einen abgesaugten Schleiftisch, eine Wandabsaugung oder eine Absaugkabine handeln. „Schleiftische sind preislich günstig und können nicht nur zum Schleifen, sondern auch für andere Bearbeitungsschritte mit handgeführten Maschinen verwendet werden“, führt Dipl.-Ing. Georg Oberdorfer, Fachkundiges Organ der AUVA, die Vorteile an. Ein Nachteil besteht darin, dass sich Schleiftische nur für flächige Objekte optimal eignen, bei dreidimensionalen Produkten wie Sesseln ist der Abstand zur Absaugfläche für eine gute Stauberfassung oft zu groß.

Absaugung immer einschalten

Laut Oberdorfer entspricht es dem Stand der Technik bei der Geräteabsaugung, dass sich diese automatisch einschaltet, wenn das Gerät in Betrieb genommen wird. Entspricht ein Gerät nicht diesem Standard, muss der Arbeitnehmer immer den Schalter betätigen. Argumente wie „Ich schleife nur kurz das eine Stück, da zahlt es sich nicht aus, dass ich die Absaugung einschalte“ oder „Holzstaub gehört dazu“ hat Oberdorfer leider oft genug gehört. Er appelliert an die Verantwortlichen, mit gutem Beispiel voranzugehen. So steht der Meister in kleinen Tischlereien mitunter sogar am Samstag selbst in der Werkstatt, vergisst aber auf Schutzmaßnahmen. Das ist zwar kurzfristig gut fürs Geschäft, aber schlecht für die Gesundheit.
Bei Absauganlagen besteht eines der größten Probleme darin, dass ihre Kapazität nicht für alle abgesaugten Maschinen ausreicht, zum Beispiel bei Anlangen, die nach Neuanschaffungen nicht „mitgewachsen“ sind. Einen zu geringen Luftstrom gibt es häufig auch dann, wenn Maschinen abgesaugt werden, die gerade nicht in Betrieb sind. Hier ist die Initiative der Arbeitnehmer gefragt: Händische Schieber müssen nach Beendigung des Arbeitsvorgangs immer geschlossen werden, wobei pneumatische Schieber mittlerweile ohnehin Stand der Technik sind. Oberdorfer warnt auch davor, beschädigte flexible Rohrleitungen, die so kurz wie möglich ausgeführt werden sollten, als Überbrückung mit Klebeband behelfsmäßig zu reparieren, da dadurch Luft entweichen kann.

Wartung und Prüfung

Nur eine regelmäßige Wartung und Prüfung der Absauganlage garantiert, dass die Staubbelastung auf Dauer unter dem Grenzwert liegt und dass man es rechtzeitig merkt, falls das nicht mehr der Fall sein sollte. Diese Erfahrung hat auch Franz Kritzinger, für alle Produktionsbereiche und Standorte zuständige Sicherheitsfachkraft bei der TEAMwork Holz- und Kunststoffverarbeitung GesmbH, gemacht. Das oberösterreichische Vorzeigeunternehmen beschäftigt an vier Standorten insgesamt 290 Mitarbeiter, davon 212 mit Behinderungen. „Als integratives Unternehmen achten wir besonders auf den Schutz unserer Mitarbeiter; wir haben einen wirtschaftlichen und einen sozialen Auftrag“, betont Kritzinger. Im Holzverarbeitungsbereich am Standort Linz trat im Mai 2015 ein technischer Defekt bei der Absauganlage auf, der Ausfälle zur Folge hatte. Bei den Holzstaubmessungen, die das Unternehmen regelmäßig von der AUVA durchführen lässt, wurden daraufhin zum Teil massive Grenzwertüberschreitungen festgestellt, insbesondere am Handmaschinen-Schleifplatz mit Deckenzuluft und Tischabsaugung sowie in der Endmontage, wo ebenfalls mit Handmaschinen nachgeschliffen wird.
Die Geschäftsleitung beschloss daraufhin ein umfassendes Maßnahmenpaket. Besonderes Augenmerk legte man dabei auf die Schleifarbeitsplätze. Die druckluftbetriebenen Exzenterschleifer ohne direkte Absaugung wurden durch elektrisch betriebene Geräte mit direkter Absaugung ersetzt. Bei den Handschleiftischen optimierte man die Absaugleistung.

Keinen Staub aufwirbeln

Weitere technische Maßnahmen betrafen die Reinigung. Für die großflächige Bodenreinigung wurde eine Nass-Saugmaschine angeschafft. Staubsauger mindestens der Filterklasse „M“ und Bodenabzieher mit Gummilippe sorgen nun ebenfalls dafür, dass kein Staub aufgewirbelt wird. Eine Verbesserung brachte auch die Verlegung der Arbeitsplatz- und Maschinenreinigung vom Abend auf die Zeit vor Arbeitsbeginn, da sich der noch in der Luft befindliche Staub über Nacht absenkt und vom Boden leichter entfernt werden kann.
Selbstverständlich ist bei TEAMwork auch das Abblasen von Kleidung oder Werkzeugen mit Druckluft verboten. „Dabei wird Feinstaub aufgewirbelt und bleibt stundenlang in der Luft. Der Staub ist dann ja nicht weg, sondern setzt sich an anderen Stellen ab“, erklärt Oberdorfer. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es oft schwer ist, den Arbeitnehmern das Abblasen abzugewöhnen, weil es schnell geht und man den weggeblasenen Staub unmittelbar danach nicht sieht. Ist das Abblasen arbeitstechnisch notwendig, muss die Staubbelastung verringert werden, zum Beispiel durch Verlegung der Tätigkeit in eine Absaugkabine oder durch Verwendung von Atemschutz.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist immer dann erforderlich, wenn der Grenzwert überschritten wird, obwohl alle technischen und organisatorischen Maßnahmen ausgeschöpft sind. Aber auch bei Einhaltung des Grenzwerts können Arbeitnehmer PSA verlangen. Oberdorfer empfiehlt eine Staubmaske mit Ausatemventil der Klasse FFP2, da bei dieser kein großer Atemwiderstand besteht. „Die Staubmaske soll man keinesfalls neben die Maschine in die mit Staub belastete Luft hängen. Sie sollte auch nicht von mehreren Arbeitnehmern benutzt werden“, gibt Oberdorfer Tipps für den richtigen Umgang mit der PSA.

Ersatz für Formaldehyd

Schützen müssen sich Arbeitnehmer auch, wenn formaldehydhaltiger Leim verwendet wird. Durch Einatmen kann Formaldehyd, ein bei Zimmertemperatur gasförmiger, stechend riechender Stoff, im Nasen-Rachen-Raum Krebs verursachen. Die Gefahren durch Formaldehyd, das auch giftig und ätzend ist und vermutlich das Erbgut schädigt, sind schon seit Jahrzehnten bekannt. Daher hat man diesen Stoff in vielen Bereichen bereits durch weniger gesundheitsschädigende Alternativen ersetzt.
In der Holzverarbeitung kommt Formaldehyd hauptsächlich in der Plattenproduktion zum Einsatz. Beim Pressen, insbesondere beim Heißpressen, wird Formaldehyd häufig in hoher Konzentration freigesetzt. Auch bei der Oberflächenbehandlung mit säurehärtenden Lacken liegt die Belastung der Luft mit Formaldehyd zum Teil über der maximal zulässigen Arbeitsplatz-Konzentration (MAK-Wert). Zu einem direkten Kontakt mit formaldehydhaltigem Leim kann es beim Befüllen oder Reinigen von Leimvorratsbehältern kommen.
Formaldehydhaltige Holzwerkstoffe werden in Österreich nur von wenigen großen Betrieben hergestellt. Diese müssen unter Umständen besondere Maßnahmen setzen, um überhöhten Formaldehyd-Belastungen vorzubeugen. Im Kleingewerbe ist die Gefahr von MAK-Wert-Überschreitungen relativ gering. Eine zeitlich begrenzte Belastung kann entstehen, wenn mehrere ungünstige Parameter zusammentreffen. Kleinere Betriebe wie gewerbliche Tischlereien könnten laut Oberdorfer auf formaldehydhaltigen Leim komplett verzichten: „Der wird höchstens nur noch aus Gewohnheit verwendet, dafür gibt es geeignete Ersatzprodukte.“   

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